Loading...
23.09.2008

Auszug aus unserem Reisetagebuch

Weil wir nicht immer Zeit haben ständig in I-Cafes rumzusitzen  gibt's diesmal eine Abschrift aus unserem Reisetagebuch von einem ereignisreichen Tag. Weil Tagebuch schreiben eine oft lästige Angelegenheit ist bitten wir zu entschuldigen, dass die Sätze nicht immer astrein sind und vielleicht manche Gags nicht für jeden Leser zu verstehen sind:

20.09.2008

Wir ziehen los, mit ganz grossen Schritten..., um zu scheitern. Tashi hat zu, die Baeckerei vorm Haus zu, Dico's zu, also Kommando zurueck zur Baeckerei auf halben Weg zu Tashi. Mit - Achtung Ueberraschung - suessem Brot / Gebaeck kehren wir zurueck ins Hotel und "fruehstuecken" mit einer Tasse gruenen Tee im Zimmer.

9:30 Uhr: Auf geht's zum Tashilhumpo-Kloster, dem Sitz des Panchen-Lamas. Auch wenn es "wieder ein Kloster" ist, beeindruckt es uns doch wieder, v.A. die Stupa des Pachen Lamas. Jimmy erklaert ausserdem einiges ueber dessen mysterioese Todesumstaende und wir lernen, dass es momentan zwei Panchen Lamas in Peking gibt: Einen tibetischen und einen von den Chinesen auserwaehlten. Ein paar chinesische Staatsleute sind auch zu Besuch. Wir vier Deutschen sind bei den anderen deutschen Reisegruppen schon fuer unseren Moerdertrip bekannt. Besonders Joerg aus Lueneburg beneidet uns um Kathmandu, denn seine Frau war vor 30 Jahren bereits dort.

Nach dem Kloster meldet sich der Hunger zu Wort. Zwei Lokale stehen zur Auswahl, eins "wo die Touristen gern hingehen" und das tibetische, fuer das wir uns entscheiden. Jimmy bestellt fuer uns Nudelsuppe mit gutem Suppenfleisch, Kartoffeln und die wohl bisher besten Yak-Momos, hausgemacht! Die Getraenke werden schnell von der Wirtin um die Ecke ergattert. Mit 44 Yuan wird unser 10 Euro Budget p.P. kaum beruehrt.

Die Fahrt nach Sakya verlaeuft nicht ohne Zwischenfall. Wir erreichen eine Unfallstelle. NAchdem bereits eine grosse Menschenmenge vor Ort ist, denken wir uns erstmal nichts und packen gemuetlich das Verbandszeug zur Sicherheit aus. Jimmy bildet die Vorhut und will mal nachsehen was los ist. Mit Tatuetata geht's zur Unfallstelle. Ein quer liegender LKW auf der Strasse und ein etwas laedierter Landcruiser der sich den Strassengraben als Landeplatz ausgesucht hat. Die kaputte Seiten-/Vorderfront zerstoert bzw. eingedrueckt. Mit dem Erste-Hilfe-Set geht's auf ins Gefecht. Der erste Patient wird schon von Jimmy aufgeschnitten - bzw. seine Hose. Irgendwo scheint Blut hervorzukommen. Unterm Knie macht sich eine klaffende Fleischwunde bemerkbar. Wir schlagen dem tibetischen Verletzten erstmal vor, sich mal besser hinzusetzen. Jimmzs erster Versuch ein Loch in die Hose zu schneiden ist zu zaghaft. Die Hose muss weg. Wir bauen einen Verband um das Knie. Als wir mit dem ersten Patienten fertig sind, kommt noch einer mit einer grossen Hand. Hier haben wir keine Ahnung und spruehen und verbinden mal drauf los. Anscheinend etwas rabiater. Nach gefuehlten Stunde

n und enier voellig nutzlosen Polizei kommt ein Pick-Up fuer die Verletzten angefahren. Das "offene Bein" heben wir mit einer Bahre auf die Ladeflaeche, die "kaputte Hand" steigt vorne ein. Wir geben noch Tipps mit auf den Weg, dann ist unsere Arbeit erledigt.

Ein paar Dinge / Zitate, ueber die wir im Nachhinein einerseits schmunzeln mussten, andererseits erschrocken waren:

  • Obwohl der Unfall schon l aenger her war, war keine Hilfe unterwegs
  • "Bring Tempos! - Nein, kein einzelnes!"
  • "Den sch... Stecken brauch'mer nimmer!"
  • Viele Gaffer, vom nackigen Jungern bis zum Mann mit Harke auf dem Ruecken
  • Die oertliche Ambulanz (=Pick-Up eines Bauern)
  • "Soll 'kaputtes Bein' auf den Beifahrersitz oder auf die Ladeflaeche?"
  • Der Zustand des Autos (Fahrerse ite aufgerissen, LKW auf der Seite) haette schlimmeres vermuten lassen
  • "Bleibt einer beim Auto!"
  • "Da is' Saft, der enthaelt Zucker!' - Wir wollten eigentlcih die Wunde auswaschen...
  • Als die Bahre da war waere 'kaputtes Bein' beinahe an genau diesem hochgehoben worden - "Stop! We do it!"
  • "Zieh an! Zieh an!"
  • Nichtsnutzige Polizisten
  • Rauchender Freund / LKWs die zum gaffen anhalten

Als alles vorbei ist und wir mit schlotternden Knien weiterfuhren kommen wir zu einem Pass mit wehenden Gebetsfahnen - 4500 Meter hoch. Evy haut's hin, die naechsten Schrammen in der Kamera. Wir treffen einen Verrueckten aus Augsburg, der von Lhasa Kathmandu radelt ("Ich hab zu meiner Frau gesagt, ich komm' wieder!").

Einige Zeit spaeter kommen wir schliesslich in Sakya an. Das Kloster hat um diese Zeit bereits geschlossen. Da wir ale schon sooo lang kein Kloster mehr gesehen haben bedauern wir dies natuerlich zutiefst. Kurzer Aufenthalt im Hotel mit Tagebuch schreiben, dann geht's mit Jimmy und dem Fahrer zum Essen. Sehr gemuetliches Lokal, am Nachbartisch spielen ein paar Einheimische ein tibetisches Wuerfel-/ Trinkspiel. Essen wie immer, dauert ewig und schmeckt passabel. Dann koennen wir Jimmy und Fahrer dazu ueberreden sich von uns auf eine Cola einladen zu lassen und es wird lustig: Der Fahrer hat nicht nur eine Freunding, sondern mehrere entlang der Strecke. Wir erfahren, dass Jimmy in Gyantse nur deshalb allein in der Hotellobby sass, weil der Fahrer in der Bar nur am Flirten war. Jimmy meint er sei in festen Haenden und ergaenzt noch "In Lhasa...". Katrins Missverstaendnis "Yes, because the driver and the guide always share a room" traegt zur allgemeinen Erheiterung bei. Die Bedienung ist fuer beide kein Objekt der Begierde, sie ist vergeben! Ausserdem erklaeren wir Jimmy, dass Zigaretten rauchen mit Halter, wie es der Fahrer praktiziert, bei uns nur feine Damen tun. Alles in allem haben wir viel Spass und machen uns gegen 22:00 Uhr auf den Weg zurueck ins Hotel. ein ereignisreicher Tag geht zu Ende und wir fallen muede ins Bett.


1 Kommentar
Kommentar schreiben
Evy am 24.09.2008 um 12:21
Eigentlich war die Situation aber ziemlich erschreckend. Die medizinische Situation laesst zu wuenschen uebrig, obwohl diese Strecke sogar als sehr gefaehrlich gilt.