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07.09.2008

Mongolian soup very good

Morgens um 7. Der Fahrer ist schon da. Große Erleichterung. Endlich trockene Wäsche einsammeln und gaaanz leise, mucksmäuschenstill den Wäscheständer so zusammenlegen, dass das ganze Haus aufwacht. Die Cousine von Frau Ich-lächle-nicht-spreche-monoton-und-bin-aber-eigentlich-ganz-nett stellt uns ein paar Frischkäseecken zum Frühstück hin, dann geht's ab durch's leere UB zum Bahnhof. Wir betreten den Zug gemeinsam mit ein paar vermutlich Dänischen Schnapsleichen. Fahrt durch grüne Hügel. Evelyn muss vom Fahrtwind weinen. Beim nächsten Halt ergattert Steve am Bahnsteig zwei Flaschen Wasser für 5000T (=3 €), was sich später als Nepp Teil I herausstellen sollte. Der Zug gefällt uns besser als seine Vorgänger, sogar das Fenster lässt sich leicht öffnen. Wir sind umgeben von Deutschen, welche anscheinend ein anderes Reiseziel als wir verfolgen: Während wir im Zug nach China sitzen, freuen sich unsere Nachbarn auf „Schiena“. Nach den gewohnten Nudelsnacks und Käsebroten machen wir uns auf den Weg in den mongolischen Speisewagen, um unsere letzten Tukrig los zu werden. Von der Schönheit des Wagons überrascht werden wir vom zackigen Kellner noch vor dem Hinsetzen gefragt: „Lunch?“ - Wir: „Ja.“ Nach dem Setzen „Beer, Juice, Water?“. Dann „Lunch is salad, soup, beefsteak, dessert“. Wir fragen vorsichtig nach dem Preis und sind geschockt: 30000T. Das ist ein bisschen mehr als unsere „letzten“ Tugrik. Egal. Wir waren davor so sparsam. Gespannt warten wir, wie es den nächsten Gästen ergeht. Aber die sind fui gscheida und lassen sich die Karte bringen. Aber „Mongolian soup very good“ und Arm tätscheln bzw. salutieren machen alles wieder wett.

Mit zinnober / Spiegelei und alten Tagebucheinträgen vertreiben wir uns die Zeit.

Ausreise verläuft stressfrei. Allerdings bleibt die Frage ungeklärt, wer für die Gleise bis zur Wartungshalle zuständig ist. Durch lautes Rotzen und Spucken merken wir, dass wir chinesisches Land erreicht haben. Die Zoll- und Passkontrolle ist leicht chaotisch: Zunächst sammelt ein sehr freundlicher Chinese unsere Pässe und Einreisekarten ein. Die Frau die die Zollerklärungen einsammeln will, weiß nicht, was sie will: Obwohl wir nichts zu verzollen haben, will sie unsere Zettel haben, denn „sie hat Zeit“. Dann hektisches Einsammeln halb- und gar nicht ausgefüllter Erklärungen, Begutachten unserer Reiselektüren, Aufmachen von Evelyns Rucksack – dann aber doch nicht. Kurz darauf müssen Evelyn und Steve ihre Rucksäcke öffnen, aber nicht ausräumen. Wenig später halten wir unsere Pässe wieder in den Händen und fahren in die Werkshalle ein. Alle Waggons werden einzeln angehoben und umgespurt. Kurz vor Mitternacht stehen wir in Erlian am Bahnhof bei Vollbeschallung und müssen eine weitere Stunde auf die Weiterfahrt warten. Evelyn bekommt von all dem nichts mit, Katrin liest und Steve und Flo verputzen noch ein Mars mit Wodka, dann Betten beziehen, erlösender Klogang und schließlich schlafen wir zum letzten Mal in der Transsib ein.


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